Ist das Kunst oder kann das weg? [INTERVIEW]

[Es ist schon ein anderes Universum, unser kleines Luxemburg. Seit ich vor 4 Wochen wieder in meiner heimischen Bauernumgebung gelandet bin, sehe ich von Street-Art Künsten ungefähr so viel wie Berlusconi von seinen unehelichen Kindern. Nada.
Und dabei gibt es sie doch, die bunt bemalten Wände, die farbenfrohen Plakate. Nach der alten, unteriridischen Bushaltestelle (wird demnächst abgerissen) und einem leer stehenden Einkaufszentrum (wird auch abgerissen), die der Staat den kreativen Künstlern gütigerweise zur Verfügung gestellt hatte, wird die Szene um die dynamischen Sprayer immer ruhiger und begrenzt sich auf "Mathafacka"-Kritzeleien im Schulbus. Schade.

Im Rahmen meines Praktikums bei einer luxemburgischen Tageszeitung, das ich momentan hier so absolviere, traf ich einen der letzten großen lokalen Street-Artists. Vielleicht sollte man dazu sagen, dass der gute Sumo sein Metier jetzt primär als Grafiker und Werbegestalter betreibt. Familie unterhalten und so.]

Lest nun meinen Original-Artikel aus dem Luxemburger Wort:


SUMO Rebecca Baden Street-Art Luxembourg Goodbye Monopol Graffiti Differdange LGL Art Casino2000

Urban Art: Ist das Kunst oder kann das weg?

Luxemburger Künstler Sumo über die Street-Art Entwicklung in Luxemburg

 

                        




Straßenkunst in Luxemburg: Tendenz zum dauerhaften Kult oder nur ein kurzer Trend? Auf der Suche nach einer luxemburgischen Street-Art-Szene treffen wir auf den luxemburgischen Künstler Christian Pearson, alias Sumo. Er erzählt uns über seine persönlichen Erfolge und die Kurzlebigkeit der Kunst.
Ein bemalte Wand hier, ein Schriftzug da - Luxemburg entwickelt langsam aber sicher eine kleine Street-Art-Kultur. Durch Großprojekte wie „Royal Hamilius“ im Centre Aldringen oder „Goodbye Monopol“ im ehemaligen Differdinger Kaufhaus Monopol wird die atemberaubende Straßenkunst unter die Leute gebracht. Trotzdem ist die Szene in Luxemburg vergleichsweise klein.


  • Sumo, wie hat das damals bei dir angefangen mit der Straßenkunst?
 Meine erste große Wand habe ich 1995 gesprayt. Ab da hat das mit dem Graffiti für mich erst richtig angefangen. Das war auch allgemein die Zeit, in der Street-Art nach Luxemburg gekommen ist. Mit meinen Kumpels Spike und Stick, die damals mit dabei waren, male ich heute z.B. noch immer und starte mit ihnen gemeinsame Projekte.

Hamilius SUMO Luxembourg Ville VDL Bettel WWM Europa Straßenkunst Kunst Art Summer in the City


  • Ihr seid also die Luxemburger Szene?
Wenn man von einer Szene sprechen kann, dann würde ich schon sagen dass wir das sind. Klar, es sind immer Leute dazugekommen, aber als richtigen Kern der Luxemburger Straßenkunst kann man uns schon bezeichnen.

  • Wie erklärst du dir, dass die urbane Bewegung hierzulande eher unbekannt ist?
 Es ist einfach so, dass junge Leute, die mit den besten Ideen, der größten Energie und vielleicht auch einer kleinen Portioun utopischem Denken, meist ins Ausland gehen. Zum Studieren. Dort lernen sie vielleicht neue Aspekte kennen und erweitern ihren Horizont, aber wenn sie dann einmal zurück kommen, haben sich ihre Prioritäten geändert uns sie konzentrieren sich z.B. mehr auf die Arbeit. Der Luxemburger Szene fehlt es schlichtweg an Input. Ausserdem trauen sich viele Menschen einfach nicht, rauszugehen und Wände zu bemalen. 

  • Siehst du dich durch Projekte wie „Royal Hamilius“  [die Bushaltestelle]  und „Goodbye Monopol“ [das Einkaufszentrum] als Pionier der Street-Art?
Teils, teils. Ich habe schon immer mein Ding gemacht. Trotzdem versuche ich seit jeher, meinen Mitbürgern die Straßenkunst etwas näher zu bringen. Vor allem zu den Zeiten, als ich noch meine Gallerie im „Extrabold“ hatte. Dort bemühte ich mich, zu zeigen, dass sich aus Graffiti mittlerweile eine richtige Kunstrichtung entwickelt hat. Man könnte sie als „Urban Art“, oder „Post-Graffiti“ betiteln.


                                    

 
  • Das Einkaufzentrum „Monopol“ in Differdingen [Dorf in Luxemburg] wird abgerissen, deine Kunst im Aldringen [noch immer das Busding] wird auch nur temporär zu sehen sein. Ist es nicht enttäuschend, zu wissen dass deine Kunstwerke nie von Dauer sind?
 Natürlich ist das schade. Auf der anderen Seite gehört das zur Philosophie der Street Art. Kunst ist vergänglich. Aber das war von Afang an so: Man wusste nie, ob das Bild, das man gemalt hat am nächsten Tag noch da sein würde. Ich fertige ein Projekt an, und denke nach Abschluss gleich an das nächste. Nicht zu vergleichen mit anderen Künstlern. Die würden dir den Vogel zeigen, wenn du ihnen erklärst, dass ihr Werk abgerissen wird. 

  • A propos Kunst, ist Street Art eine besondere Art der Selbstdarstellung?
 Ganz klar, ja. Street-Art ist nichts anderes als ein totaler Ego-Trip. Als Graffiti-Künstler arbeitest du anonym und hast unendlich viele Freiheiten. Man kann sich das so vorstellen, wie wenn man eine Maske tragen würde. Niemand kennt dein Gesicht, und doch nimmst du voll am öffentlichen Leben teil. Die Leute haben keine Möglichkeit, sich über dein Werk zu beschweren oder dir zu zeigen, wie du es besser machen könntest. Sie müssen die Kunst akzeptieren, die du ihnen lieferst - ohne wenn und aber.

  • Zum Abschluss: Was gibst du aufstrebenden luxemburgischen Künstlern mit auf den Weg?
 Bleibt euch treu und habt Spaß an der Sache. Haltet die Augen offen und versucht, so viele Eindrücke wie möglich aufzunehmen. Inspiration liegt quasi auf der Straße.


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