Closet Cleanout - und jetzt?

Eines Tages, kurz nach dem großen Umzug vor zwei Jahren, überkam mich kurzerhand und unverhofft die Motivation, meinen Kleiderschrank auszumisten und die bis dato jugendlich geprägte Püppi-Garderobe ein bisschen auf hipsterigen Berlin-Vordermann zu bringen. 
Es begann ein langwieriger Prozess voller schmerzhafter Trennungen (mein XXS-Buddha Top!), zukunftsträchtiger Comebacks (Merke: Aufgewärmtes schmeckt nie!) und freudiger Aufnimmerwiedersehens (Geschenktes und nie Angezogenes).
So kann ich am heutigen Tage sagen, dass ich mir ein beträchtliches Tütchen an Klamotten und Stofffetzen angesammelt habe, über die sich einige Erdenbewohner Miley Cyrus?! bestimmt sehr freuen würden - wenn ich die Ware denn erfolgreich an die Frau (oder an den Mann) bringen könnte. 

Doch genau das ist der Ursprung des heutigen Problems: Mutter Theresa oder Money Maker? Welcher Weg ist ethisch korrekt, nachhaltig für die Natur und mein studentisches Portemonnaie?


Flussperle Flohmarkt Closet Cleanout Ebay Kleiderkreisel
 Verkauft für 1 Euro. [Mist, das hätte ich nächsten Sommer noch mal tragen können.]

#1: She sells her mess! Kleiderkreisel und Konsorten

Per definitionem eigentlich die Variante mit dem meisten Gewinn,  wenn man sich nicht ganz so blöde anstellt wie ich. 
Man fotografiert, lädt hoch, schreibt ein paar verlockende Ausdrücke (ganz beliebt: Blogger, Vintage), schmeisst den Köder aus und wartet, bis die ersten Fashionistas und Drag Queens anbeissen. 
Seltsamerweise sind 80% meiner Tops und Schuhe bei Ebay bisher an männliche Bieter gegangen, Durchschnittspreis 2,50 Euro und somit nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte. Sogar meine 80-Euro Halsbrecher-Heels gingen für schlappe 7,50 Euro über die Grenze nach Polen. Da blutet das Herz! 

Eine weitere und eher kleidungsspezifische Flohmarkt-Plattform ist der berühmt berüchtigte Kleiderkreisel. Dort haben Kaufwütige sogar gleich die Chance, ihren Kleidungsbestand gegen andere Gebrauchtware quer durch Deutschland (oder noch weiter?) einzutauschen.
Die Idee an sich finde ich super, nur hält sich meine Shoppinglust zur Zeit in Grenzen, mein Stil entspricht nicht dem der Mädchen, die sich für meine 2009er Schleifchen- und Rüschentops interessieren, und letzten Endes wird das Konto so auch nicht praller und ich kein Zuckerberg.

Schließlich, und vielleicht auch weil Menschen im Internet irgendwie eine Tendenz zum Großmaul haben, kommt es bei solchen virtuellen Vintage-Shops nicht selten zu patzig-lächerlichen Preisforderungen und Reaktionen. Du willst dein altes Lieblings-Shirt mit aller Herzensgüte für ein Viertel des Original-Preises verkaufen und erhält ein pubertäres Dann kann ich mir gleich ein neues kaufen!, du fährst in den Waschsalon um die Ware vor der Fahrt ein letztes Mal zu waschen und darfst dir eine räsonable und freundliche Antwort auf ein Jetzt ist das T-Shirt nicht mehr neu, ich hätte den Plastikgeruch deiner Tüte bevorzugt. (O-Ton!!) einfallen lassen. Sorry, not sorry. Geht halt weiter zu H&M...


#2: H&M Conscious - oder so

Als ich gestern einen Nutzeinkauf bei H&M tätigte (das tat ich tatsächlich!), beschäftigte mich die grüne Broschüre an der Kasse so sehr, dass ich nicht mitbekam, wie die arme Kassiererin mich vergeblich darauf hinwies, dass ich ihr 5 Euro zu wenig gegeben hatte. 
Das grüne und sehr nachhaltig und umweltfreundlich wirkende Heftchen ermutigt junge, naive Menschen mit Ambitionen zum Weltverbesserer dazu, volle Einkaufstüten mit Altkleidern (Wert und Marke sind egal) in eine Filiale zu bringen und gegen einen -15% Gutschein ("auf ein Kleidungsstück deiner Wahl") abzugeben.
Die moralisch einwandfrei handelnde schwedische Modekette entsorgt die Klamotte dann umweltfreundlich, lässt sie zu anderen Stofffetzen weiterverarbeiten oder stiftet sie an gemeinnützige Organisationen. Natürlich total uneigennützig und überaus philanthropisch. Das lasse ich mal unkommentiert.
Obwohl die Intentionen sehr verlockend klingen und einer guten Tat in keinem Falle etwas entgegenzubringen ist, bin ich doch ein starker Gegner dieser Scheinheiligkeit. Kambodschanische Kinder zum Nulltarif arbeiten lassen und dann einen auf, pardon, Jesus tun? Finde ich persönlich irgendwie scheisse und bringe mein Zeug dann lieber gleich in die Altkleidersammlung.


Flussperle Closet Cleanout Flohmarkt H&M Conscious
Jackpot! 8,50 Euro. [Vielleicht sind meine Fotos aber auch nur scheisse.]

#3: Back to reality: Der echte Flohmarkt

Hier kann ich mich nur auf Erfahrungsberichte meiner Freunde und die Wettervorhersagen der nächsten Monate beruhen. Trotz der direkten Nähe zum potenziellen Kunden, dem Live-Betouchen der edel drapierten Ware und dem alles entscheidenden Geruchstest vor Ort scheinen Flohmärkte nur Kohle in die Kasse zu bringen, wenn man gut verhandeln kann und mindestens zwei Staffeln von Der Trödeltrupp auswendig gelernt hat. 
So hat Freundin V. ihre ganzen Modekettenkleider, aus denen der Großteil meines Angebots besteht, für je einen Euro verscherbelt, damit sie die Dinger überhaupt los wird. 
Klar, was man für 'nen Fünfer im SALE ergattert, kann man nicht als Anlage für das spätere Vermögen verwenden. Aber bei den bevorstehenden Temperaturen verzichte ich dann doch auf die Moneten und gönn mir stattdessen bald den ersten Glühwein. 

Was ist eure Verkaufsstrategie? Gehört ihr zu den gutherzigen Kleiderverteilern oder seid ihr stets bemüht, euer Sommertop bis in die letzte Faser vor übereifrigen Schnäppchensuchern zu verteidigen? 



Kommentare:

  1. *ha* ich zähle zu den knallharten Verteidigern ... überwiegend auf ebay. Damit ich nicht enttäuscht werde, wenn das ehemalige Lieblingskleid für nur 1€ über die Theke wandert, setze ich die Sachen direkt für z.B. 10€ rein, also eben für den Preis, den ich mindestens erzielen möchte. Damit bin ich bislang sehr gut gefahren und kann mich nicht beschweren. Klar, manchmal gehen die Sachen auch nicht weg, aber beim dritten mal dann eigentlich immer ;-) Und gaaaanz wichtig, du solltest das Wetter in deinen Verkauf mit einbeziehen. Am besten verkaufen sich Dinge, die an einem regnerischen Sonntag zwischen 17 und 21 Uhr auslaufen. Im Sommer gelten andere Zeiten, da länger hell ... du siehst, hier spricht der Profi ;-)

    Ach, und damit mir niemand was vorwerfen kann, Lilly's Spielsachen und sattgesehene Leinen gehen ganz klar zur Tiertafel :-)

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    1. Bei mir hat das mit den Wunschpreisen offensichtlich noch nie funktioniert :D :D Die Wetter- und Sonntagstipps sind allerdings genial, daran hab ich noch gar nicht gedacht. Da ist wohl ein echter Profi am Werk.. Danke ;)


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  2. Ich hab neulich auch maximal ausgemistet - man muss sich ja adäquat von der Bachelorarbeit ablenken und so. Das Ganze wurde dann in drei Tüten separiert: Kleiderkreisel, Verschenken und (shame on me) H&M. Flohmarkt is so gar nicht mein Ding, weil ich nicht gerne handle und ich zu faul bin mich irgendwo anzumelden um Tops für 2 Euro zu verkaufen. Dann kriegts doch lieber ne Freundin für lau. Ich nehm bei Kleiderkreisel aber auch immer recht wenig für meine Teile, wenn ich das so mit anderen Usern vergleiche... Daher werd ich alles immer schnell los, auch Primark Gedöns :)

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    1. Bachelorarbeit und so :D Wann war nochmal Abgabetermin?
      Ich find Verschenken aber so ganz gut, kommt auf jeden Fall gut an und am Ende bist du halt immer der Mensch mit dem großen Herzen und dem großen Kleiderschrank. Sollte man ernsthaft in Erwägung ziehen. Oder so eine private Swap-Party, wie du letztens veranstaltet hast.
      Ich bin allerdings auch kein Meister im Handeln. Am Ende würde ich eh alles für nichts verkaufen und säße heulend über den leeren Tüten. Und außerdem ist ja schon November.. Zu kalt.

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  3. Moah, ich bin bei Kleiderkreisel und verkaufe meine Klamotten dort und habe dabei kein schlechtes Gewissen, da meine Sachen nicht überteuert weiterverkauft werden. Bei mir ist fast alles unter 10€. Die meisten verkaufen ihre gebrauchten Sale-Sachen meiner Meinung nach viel zu teuer. Aber es gibt ja immer Abnehmer oder Fetischisten.

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Ich bedanke mich für euer Feedback und freue mich sehr herzlich über allerlei Nettigkeiten und Kritiken. Wer beleidigt, ist doof, und wer "Gegenseitiges Verfolgen" Anfragen verschickt auch ein bisschen.

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