Salonfähige Ausländerfeindlichkeit: Ich bin kein Rassist, aber...

equality pizza cat space hipster philanthrop
Katze, Pizza, Space, Equality - voll der Hipsterblog, ey. 

In Luxemburg hat man gestern gewählt. Unter anderem gegen ein Ausländerwahlrecht, das nach 10 Jahren Wohnhaftigkeit in dem kleinen Land in Anspruchen genommen werden darf. Hätte in Anspruch genommen werden dürfen. Hätte, wenn nicht 80 Prozent der stolzen Luxemburger und Luxemburgerinnen ihr Kreuz gegen das Ausländerwahlrecht gesetzt hätten. Hätte, hätte Fahrradkette. Am Ende siegt stupider Patriotismus gegen Weltoffenheit und Chancengleichheit. Und am Ende ist die Geschichte in Luxemburg auch nur ein kleiner Teil von einem großen, latent ausländerfeindlichen Ganzen. 

Ist so ein Kreuz jetzt ausländerfeindlich? Ein bisschen. Kaschiert. 

Ich bin nicht ausländerfeindlich, aber...


Vielleicht hagelt es schmutzige Schlüpfer und Schimpfwörter im Dialekt, wenn ein luxemburgischer, nach Berlin ausgewanderter Blog sich so vehement gegen einen Großteil der Bevölkerung positioniert. Vielleicht gibt's böse Blicke im Supermarkt, so böse wie die, die Primark-Tüten im alternativen Friedrichshain ernten. Und vielleicht sind viele chauvinistische Kommentare der vehementen Nein-Sager auch nicht wirklich reflektiert und ich auf der Ebene sehr sensibel. Möglicherweise. 

Im Grunde spiegelt die Wahl in meinem Heimatland aber nur das wieder, was ich seit Monaten auch in Deutschland sehe. Und in Sozialen Netzwerken - vor allem da. 
Mensch ist nicht gleich Mensch. Sexualität, Hautfarbe und Herkunft sind in vielen Köpfen präsenter, als es die gut gemeinten Hippie-Sprüche auf den Facebook-Profilen zugeben würden. Und dann kommt auch noch diese Pegida und lockt alle Trottel aus ihren Trottelhöhlen.  
Wanderlust- aufregend, Auswandern - boah ey, voll spannend, ich komm dich besuchen und so, aber Immigration - Ih, ist das das, wo andere Menschen in mein Land kommen und mir meine Luft wegatmen? Dann will ich das lieber nicht. Weltoffenheit ist nur okay, solange sie amerikanische Süßigkeiten und chinesische Sneakers mit sich bringt. Hauptsache, am Ende des Tages sitzt jeder in seinem heimischen Bettchen und guckt das Sandmännchen. Friede, Freude, deine Mutter. 

Bild von: Kotzendes Einhorn


Patriotismus ist etwas für Luschen. 


Das mag jetzt alles drastisch klingen - und schockierend frech, weil es von einer jungen Studentin kommt, die mit deine Mutter um sich schmeisst. Aber erstens ist Ausländerfeindlichkeit im großen Ganzen ein Problem und zweitens macht es mich wütend. Und drittens wird hier nunmal so gesprochen (#penis). 
In erster Linie sind wir alle Menschen, und Schubladendenken ist ziemlich 2000. Und den ganz Altmodischen hatte ein gewisser Jesus eigentlich schon mal genau denselben Spruch gepredigt - no excuses, Freunde. Eigentlich will ich euch Tomaten ins Gesicht schmeissen, weil viele von euch nicht darüber nachdenken, dass ein Schritt über die Grenze euch selber zu Ausländern macht.  Tja und so ist das mit dem Patriotismus. Das ist ein bisschen wie sich Anpinkeln - ist zwar schön warm, für Aussenstehende sieht es aber einfach nur kacke aus. 

Und für die ganz Intellektuellen hier noch einmal die adrettere Version des Ganzen: 

[...] Jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen. 

Patriotismus, deine Mutter. 

Kommentare:

  1. "Ich bin nur n bisschen patriotisch; was ist denn bitte falsch daran seine Heimat zu lieben?" - Wie oft ich darauf schon antworten musste, holy moly. :D Kann ja einfach nicht verstehen wie man sich einfach so mit nem unbekannten kollektiv identifizieren kann und auf etwas stolz sein kann, an dem man nichts dazu geleistet hat. "Bin stolz auf Deutschland" - Klar finds auch klasse hier zu leben, finds auch gut, dass wir hier Moscheen haben etc. aber was für (haha sorry) stolz. worauf denn XD da gibts doch noch tausend negative Sachen, die hier abgehen und mit denen habe ich nichts zu tun, ebenso wenig mit den Sachen die ich gut finde. Also wieso stolz sein? Meine fresse hast du was geleistet, indem du hier geboren wurdest, wie konntest du das nur schaffen??? Und dann dieses Unverständnis, dass aus dem ach so normalen Patriotismus automatisch Hass nach außen geht, weil eben "nichts über die Heimat" geht. Jaja deine Mutter :----)


    Looooove! Wenn ich jemals in Berlin bin, komm ich und suche dich!!!! :D
    xx

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hahaha, wenn jemand das anonym geschrieben hätte, wär's ein bisschen creepy, aber du darfst mich gerne in Berlin suchen und finden xD <3
      Patriotismus wäre an sich ja nichts Schlimmes (nur halt was Unnützes, aber gut), aber wie du sagst: Aus diesem Stolz auf das Eine resultiert oft Hass gegenüber Anderem, und spätestens dann haben sich die blöden Patrioten als einfältige Höhlentrolle geoutet. Das ist so wie der Trend bei den Körperkonzeptionen: Wir feiern (endlich) kurvige Frauen, aber dafür sind alle brustlosen Mädchen magersüchtige Schlampen. Wie wär's, wenn wir alle unterschiedlichen Dinge, Menschen und Länder gleich akzeptieren und das ENTWEDER/ODER Spiel einfach lassen? Erklär' das mal einer den Leuten :D

      Ich mag Deutschland übrigens auch, dafür hab ich mich ja freiwillig entschieden, ich krasse, sich selbst einquartierende Ausländerin. Ich klau jetzt eure Atemluft, hol eure Katzen bei mir auf und kaufe die letzte Milch bei Aldi.

      Löschen
  2. Has a patriotic heart, is a good thing or a bad thing?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. It's not about patriotism being a good or bad thing, it's more about the bad things people do under the guise of their patriotic hearts. Obviously, I consider patriotism as an unnecessary thing. On the other hand, everyone's entitled to their own opinions and preferences. So basically, if you don't start excluding or disrespecting other people for being immigrants to (or expats from) 'your' country, I couldn't care less about people's patriotic hearts - I won't come around and tear the flag off of your house ;).

      Löschen
  3. Okay...kein Wahlrecht für Ausländer. Gut. Also dann Staatsbürgerschaft für alle, ergo keine Ausländer! Ich sollte Politikerin werden.

    Keine Ahnung wie lange es noch dauern wird, bis Hautfarbe, Hintergrund, Sexualität etc. keine Rolle spielen wird.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Irgendwie war das in Luxemburg so das Hauptargument: Dann nehmt euch halt die luxemburgische Nationalität oder organisiert euch eine doppelte Staatsbürgerschaft und geht wählen, wenn ihr das unbedingt wollt.
      Wenn man der Internet-Meute so zuhört, ist so ein Prozess wohl ziemlich einfach. Weiss ich persönlich jetzt leider nicht so (die meisten Internet-Menschen wahrscheinlich auch nicht ;)). Ein Teil des Nationalitäten-Aufnahme-Tests beinhaltet aber das Lernen der luxemburgischen Sprache - das ist vielen Wählen wohl besonders wichtig, hält womöglich aber auch Immigranten von dieser Prüfung ab. Luxemburg hat drei Amtssprachen: Luxemburgisch, Deutsch, Französisch. Ob das Erlernen der luxemburgischen Sprache nun so wichtig/sinnvoll ist, wenn man Französisch und/oder Deutsch beherrscht und sich damit eh überall problemlos (oder sogar besser) verständigen kann, ist wohl eine persönliche Entscheidung... Ich lasse das heute mal unkommentiert und trinke meinen Tee ;)

      Löschen
  4. #penis.

    Du coolste aller Socken. Recht hast du!

    AntwortenLöschen
  5. Ich mag diesen Text verlinken, JETZT! Darf ich? :-D
    Oh und Ps: Ich liebe Dich! :-)

    http://www.muhkuhaddict.com/2015/04/eine-buhne-fur-bunt-part-2.html

    AntwortenLöschen

Ich bedanke mich für euer Feedback und freue mich sehr herzlich über allerlei Nettigkeiten und Kritiken. Wer beleidigt, ist doof, und wer "Gegenseitiges Verfolgen" Anfragen verschickt auch ein bisschen.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...