Blogger für Flüchtlinge: Wie du geflüchteten Personen helfen kannst.

Kein Thema hat mich in den letzten Wochen so sehr beschäftigt wie das Schicksal der Flüchtlinge und die Reaktionen darauf in meinem direkten und indirekten Umfeld. Kein Tag ohne Diskussionen über vernachlässigte Menschlichkeit, Alltagsrassismus und stumpfe Empathielosigkeit. Kein Nachrichtenpost auf Facebook ohne chauvinistische Kommentare und stupides 'Pack'-Geschreie (!!!!!111elf).

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mit so viel Fremdenfeindlichkeit und Ignoranz in unserer Gesellschaft gerechnet hätte. Okay, Ignoranz und mangelnde Gehirnzellen haben mich bei einigen nicht wirklich umgehauen. Ernsthaft, Leute: Da sind Menschen, die vor Krieg und Armut flüchten, und besorgte Bürger sorgen sich darüber, welche Turnschuhe sie tragen? Da sind kopflose Neonazis, die Flüchtlingsheime anzünden, und so viele von uns schauen einfach weg? Ach, ihr seid damit auch nicht einverstanden? 
Dann ist es an der Zeit, ein Zeichen zu setzen - für Flüchtlinge, gegen Fremdenfeindlichkeit. Das neue Netzwerk Blogger für Flüchtlinge ist eine Initiative von Menschen für Menschen. Macht mit da - auch, wenn ihr gar keinen Blog habt. 

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Grafik von Tollabea

Nicht-Blogger und Blogger für Flüchtlinge - Tipps für schnelles Helfen

Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, bei der aktuellen Situation Hilfe zu leisten. Einige könnt ihr heute hier nachlesen. Sie appellieren an euer Engagement und fordern eventuell etwas Zeit. Ob ihr nun Sachspenden abgebt, Deutschunterricht gebt oder Behördengänge absolviert, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Eins solltet ihr - ob Mitwirken oder nicht - aber immer tun: Flagge zeigen und Menschenfeindlichkeit nicht unkommentiert lassen. Auch wenn der dumme Nazi von nebenan voraussichtlich nichts daraus lernen wird.

Spenden: Egal, was.

800.000 Flüchtlinge werden 2015 in Deutschland erwartet. Menschen wie du und ich - mit dem Unterschied, dass sie all ihre Besitztümer zurücklassen mussten. Spenden helfen ihnen nicht nur durch den Winter, sondern auch beim Aufbau eines neuen Lebens. Sammelt Geldspenden (ja, ihr könnt auch erfahren, wo das Geld hinfließt), bringt alte Klamotten in die Flüchtlingsunterkünfte (ja, die werden WIRKLICH an Flüchtlinge verteilt) und verschenkt das alte Sofa, das ihr eh abgeben wolltet (oh Mann ey, NEIN, das wird auch nicht gewinnbringend verkauft).

Sich ehrenamtlich engagieren

Einige Studenten und Schüler gehen abends babysitten. Andere passen auf Flüchtlingskinder auf, während ihre Eltern im Deutschunterricht sind. Ehrenamtliche werden gerade überall gesucht. Besucht doch mal ein Flüchtlingsheim in eurer Nähe und fragt, wie ihr helfen könnt. Wer lieber in der Gruppe Aktivitäten plant, kann sich auch über Projekte rund um Flüchtlingshilfe informieren (z.B. Über den Tellerrand in Berlin, Refugees Welcome in Luxemburg). Die Kids sind übrigens sehr süß, und ihr werdet da wahrscheinlich nie wieder wegkommen. (Nein, sie werden euch nicht fressen. Und auch nicht verkaufen. Und auch nicht verschleppen). Sehr liebenswert. Sagt bloß nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

refugees welcome graffiti pink
Bild von Mixy Lorenzo

Flüchtlingspate oder Flüchtlingspatin werden

In einem haben die besorgten Bürger (alias Nazis) Recht: Viele der Flüchtlinge sind junge Männer. Warum diese Tatsache so viele verwundert, überrascht mich noch immer. Ich meine, würdet ihr eure Omi 7 Tage lang in einem Schlauchboot übers Mittelmeer schicken? Eure kleinen Geschwister? In Wahrheit bleiben viele Frauen und Kinder in den großen Lagern in Libanon und der Türkei zurück, und die Männer, oft der älteste Sohn, nehmen die traumatische Reise alleine auf. 

Familienangehörige dürfen zwar nachkommen, in vielen Fällen erfolgt dies aber nur, wenn Besserverdienende ein Leben lang für sie aufkommen und den Staat entlasten. Machen natürlich nur die wenigsten. Deswegen organisiert der Freundeskreis zur Unterstützung von Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem Nahen Osten e.V. Patenschaften ab 10 Euro im Monat, mit denen Angehörige syrischer Geflüchteter nach Deutschland geholt werden können. 

Mehr Infos und Aktionen findet ihr im Netzwerk Blogger für Flüchtlinge und unter dem Hashtag #bloggerfuerflüchtlinge. Be there or be square! 

Kommentare:

  1. weißt du, was das schlimmste ist? dass das jetzt für alle rechtsextremen ein gefundenes fressen ist, denn so können sie den hass natürlich schüren. und der ich sage mal orthonormal bürger ist so eingeschränkt im horizont, dass er da gleich mit ins selbe horn bläst. wenn man sich schon überhaupt über irgendjemanden aufregen muss, dann doch bitte über regierungen die einfach sagen 'nö wir nehmen keinen mehr auf' obwohl sie in der EU sind. zum beispiel. aber doch bitte nicht über die menschen die da hilflos und verzweifelt schutz suchen. nach dem 2. weltkrieg hat jeder groß rumgetönt, dass uns sowas nie wieder passieren wird. und jeder behauptet von sich "ja also ICH hätte ja damals ganz anders gehandelt und ICH hätte mich aufgelehnt und ICH hätte meinen kopf eingeschaltet" ... dann kommt so eine situation wie die jetzige und man schaltet den logischen menschenverstand immer noch nicht ein. und branbomben werden ihn flüchtlingsheime geworfen und dann regt man sich drüber auf, dass die deutschen in der ganzen welt immer noch als nazis angesehen werden. aua. es läuft so unfassbar viel schief hier und ich gehöre schon auch zu den leuten, die es nicht einsehen wie unsere regierung die falschen prioritäten setzt vor lauter arschkriechen (also jetzt nicht auf die flüchtlingsaufnahme bezogen!!). aber deshalb schiebe ich doch keinen hass auf meine MITMENSCHEN, denen es schlecht geht. es fehlt an empathie, an allen ecken und enden. auf jeder ebene.
    das mit der keiderspende ist so ne gute idee! bringe ich die einfach direkt zu solchen heimen?

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    1. kleiderspende sollte das heißen :)

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    2. Diese Sache mit dem Dritten Reich und den 'ICH HÄTTE DAMALS ALLES ANDERS GEMACHT'-Menschen, die heute trotzdem bei Pegida mitlaufen, ist mir auch schon oft durch den Kopf gegangen. Und auch, wenn nicht alle Rassisten mit Steinen und Brandsätzen Flüchtlingsheime bewerfen, bin ich doch ehrlich überrascht darüber, wie einfach sich 'normale' Menschen (also solche, denen man ihre braunen Gedanken nicht 'absieht'...Oh Mann, ich muss bei dem Thema echt viel in Anführungszeichen schreiben) zu absolut strunzdummen, rassistischen Aussagen hinreissen lassen. Dieses typische 'Ich bin kein Rassist, aber..' von dem immer alle reden, halt. Nach der Bloggeraktion und allgemein unglaublich vielen Aktionen, die gerade überall gestartet werden, fühle ich mich in unserer Menschlichkeit aber etwas beruhigter. Die meisten braunen Dummen sind, ich hoffe es inständig, doch nur eine kleine, hässliche Minderheit.

      Ah, Kleiderspenden noch :) Am besten suchst du online nach einem Heim in deiner Nähe und bringst die Sachen dorthin. Du meldest dich dann da beim Wachmann (oder der Wachfrau) an, sagst, dass du Spenden bringst, und die bringen das dann in ihr Lager und verteilen die Sachen anschließend. Das geht ganz einfach. Eventuell musst du deinen Ausweis zeigen, das weiss ich aber nicht, weil mein Freund schon länger im Heim arbeitet und das Personal dort schon kennt. :)

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  2. Wir haben unter aktion-arschloch.de eine symbolische Aktion gestartet, um „Schrei nach Liebe“ wieder in die Charts und ins Radio zu bringen.
    Schaut doch mal rein!

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Ich bedanke mich für euer Feedback und freue mich sehr herzlich über allerlei Nettigkeiten und Kritiken. Wer beleidigt, ist doof, und wer "Gegenseitiges Verfolgen" Anfragen verschickt auch ein bisschen.

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