Irgendwas mit Jahresrückblick: Blogger für Flüchtlinge und was das Projekt mit mir gemacht hat.

Jetzt ist dieses Weihnachten schon wieder rum. (P.S.: Frohe Weihnachten, und so.) Obwohl die Schnelllebigkeit der Zeit ja immer so total überraschend daher kommt (und im Übrigen ein gutes Smalltalk-Thema darstellt), sind die dahinrasenden Wochen irgendwie doch sehr bezeichnend für alles, was 2015 schon wieder so besonders gemacht hat. Und ein Grund dafür, dass es hier kürzlich so still war.
Eigentlich bin ich kein Fan von emotionsgeladenen, nostalgischen Jahresrückblicken. Und ich gehe auch nicht davon aus, dass, bis auf die hartgesottenen Fans aus der Familie, noch viele andere LeserInnen ihr Interesse an den alljährlich rekapitulierten toten Hamstern, versoffenen Festivals und kaputtgetretenen Schuhe der Blogosphäre entdecken. Auf ein ganz besonderes Projekt des letzten Jahres will ich an dieser Stelle aber trotzdem nochmal eingehen. Wegen des letzten Posts, mit dem ich mich so klammheimlich in die Stille davongestohlen habe. Und der Nachrichten und Geschichten, die uns in den letzten Monaten begleitet haben. Der Personen, die sich ein bisschen in mein Herz gelächelt haben und der Situationen, um die sich so viele meiner Gedanken kreisen. Darum. 
Was Blogger für Flüchtlinge wirklich gebracht hat - zumindest in meiner Seifenblase.  

Blogger für Flüchtlinge und ich: Wie alles begann

Ganz ehrlich: Ich denke seit etwa 3 Monaten darüber nach, wie und ob ich ein paar der folgenden Dinge im Netz verbreiten soll. Es ist einfach, seine Selfies pseudo-wutentbrannt mit #nazisraus und -inbrünstig mit #refugeeswelcome zu pflastern. Es ist auch (die anschließenden Emotionen mal ausgeschlossen und sich nur auf das Physische beziehend) nicht wirklich schwer, die Ärmel hochzukrempeln und im real life anzupacken. Aber es ist schwer, den Wandel vom trivialen Hashtag zur echten Geschichte darzustellen, ohne die Grenze zur Selbstbeweihräucherung zu übertreten, höchst private Schicksale medial auszuschlachten und, schon wieder, den Willen und die Schutzbedürftigkeit der geflüchteten Personen zu missachten. Tagtäglich Diskussionen zur Bekämpfung tief installierter Vorurteile zu führen, geliebte Menschen nach denselben mit anderen Augen zu sehen und die eigenen Emotionen jedes Mal ein Stück weiter hinten anzustellen, zwei Augen zuzudrücken, wieder aufzustehen und weiterzumachen. 

Trotzdem oder gerade deswegen gibt es Dinge, die auch Unbeteiligte wissen können, sollen. Und genau da kommt Blogger für Flüchtlinge ins Spiel. Das Projekt, das das Blogger-Netzwerk nutzt, um Informationen und Initiativen zu verbreiten. Die Plattform, die ich am Anfang für eine nette Geste der Solidarität hielt (mit passendem Hashtag und so!) und die mich und viele andere auf direktem Wege (und mit ein bisschen Selbstreflektion) dazu führte, den Hintern aus dem Drehstuhl zu heben und auch wirklich aktiv zu sein - sei es an der Seite von ProjektinitiatorInnen, Demonstrierenden und natürlich auch den Refugees selbst. Kritik an diesem und ähnlichen Projekten gibt es zuhauf: Man klebe sich hier und da einen schicken Button an die Seitenleiste und setze sich ansonsten nicht wirklich intensiv mit der Thematik des Projekts auseinander. Die Kritik ist sicherlich teilweise berechtigt. Aber eben nicht nur.

Am Anfang war der virtuelle Aufruf. Jetzt stehen wir mitten in der aktiven Hilfe. Und am Ende sehen wir viele kleine und große Erfolge und lachende Gesichter.

einhorn basteln aus klopapierrollen bastelideen für kinderbetreuung
DAS habe ich übrigens ganz alleine gebastelt. Wie sagt man Einhorn auf Arabisch?

Vom virtuellen Projekt zur realen Motivation und vom Modebloggen zum Menschsein


Ich setzte mich also, wie tausende andere, im Sommer mit diesem Blogger für Flüchtlinge auseinander. Präsentierte ein paar Projekte, postete das passende Logo, bekundete öffentlich Solidarität und las weiter die Nachrichten. Las von sporadischen Anklagen nach Angriffen auf Unterkünfte, politischen und zivilen Schreien nach einer Obergrenze und nicht zuletzt der (immer noch andauernden!!) Verwaltungskrise am Berliner LAGeSo. Und irgendwann merkte ich einfach, dass da mehr zu tun ist, als das Reposten von Bildern, Kampagnen und Projekten. 

Versteht mich nicht falsch, jeder Hashtag, jedes Projekt und jedes Logo ist eine wichtige Stimme in einer Gesamtheit - ich für meinen Teil wollte am Ende aber auch irgendwann tatsächlich anpacken. Nach dem Aufruf auch wirklich etwas machen. Das umsetzen, was ich auf dem Blog so predige. Und so, und ohne jetzt auf einzelne Etappen und Erfahrungen einzugehen, führte das eine zum anderen und ich landete an einem echt miserablen Ort - dem LAGeSo, wo sich fast täglich neue Missstände auftun und so unglaubliche Dinge passieren, dass einem manchmal Menschen nicht glauben, dass sich all das in der deutschen Hauptstadt so zuträgt (nicht fluchen. nicht fluchen. NICHT FLUCHEN.). 

Projekte unterstützen, Refugees unter die Arme greifen, Solidarität zeigen: Ana ismi Rebecca


Und auch wenn sich das da oben jetzt scheinbar so einfach runterbrechen ließ und ganz sicher nicht alles darstellt, was Leute wirklich wissen sollten, möglicherweise sogar zu sehr Ich-bezogen verfasst wurde oder Einzelschicksale zu wenig beleuchtet, um manche von euch zu berühren, solltet ihr fleißigen BlogleserInnen einfach mal sehen, wie sich so ein unscheinbares, virtuelles Projekt in etwas Reales verwandeln kann.
Wie es Menschen wie mich, und vielleicht euch, letztlich doch dazu bewegt, etwas in der analogen Welt zu bewegen. Wie es meine Prioritäten verändert hat (Sneakers sammeln? Come on!)  und die Art, wie ich mich für eine bestimmte Sache fast bedingungslos einsetze (inklusive Diskussionen unterm Weihnachtsbaum, #lol). Aber auch, wie stark digitale Zusammenschlüsse die Organisation von realen Gruppierungen und Initiativen unterstützen, wie viel einfacher unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Ideen und Kapazitäten gemeinsam in eine Richtung arbeiten und wie sich die Solidarität einer solchen Community ausdrucksvoll und produktiv stark machen kann.
Das wollte ich einfach mal sagen, so zum Ende des Jahres. Shukran, meine lieben Involvierten. Und einen guten Rutsch.

P.S.: Weil's zum guten Ton eines Blogs gehört: Ich werde nächstes Jahr wieder regelmäßiger bloggen.  Vielleicht.

P.P.S.: Wenn ihr euch selber irgendwie engagieren wollt und doch nicht so richtig wisst, wie oder wo, oder wenn ihr euch einfach am Anfang nicht so traut, schreibt mir ruhig privat! Das ist alles vollkommen ok. Aber keine Liebesbriefe, bitte. Liebe! 

1 Kommentar:

  1. yaaay. das klorollen-einhorn ist ja mal mega! wir hatten auf facebook geschrieben wegen deutschunterricht. du verrätst hier ja nicht konkret, was du so gemacht hast, aber falls es im DaF-bereich war, würde ich mich mega freuen, wenn du mir mal schreiben würdest! liebste grüße, kato

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Ich bedanke mich für euer Feedback und freue mich sehr herzlich über allerlei Nettigkeiten und Kritiken. Wer beleidigt, ist doof, und wer "Gegenseitiges Verfolgen" Anfragen verschickt auch ein bisschen.

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