Same Same but Different: Dinge, die bei der Fashion Week Berlin passieren. Immer.

Letzte Woche wurde in Berlin mal wieder Fashion Week zelebriert. Ihr wisst schon, diese vier Tage, an denen die Hauptstadt mit Modemenschen und Filzhüten überschwemmt wird und zahlreiche Designer und Designerinnen (ich habe gezählt, es waren mehr als 40!) ihre neuen Kollektionen an den Erst- und Zweitplatzierten der letzten sechs Staffeln Germany's Next Topmodel vorführen. Obwohl ich mittlerweile primär aus arbeitstechnischen Gründen (ich durfte für SLEAZE einen seriöseren Bericht über die Fashion Week verfassen) um das gigantische Zelt am Brandenburger Tor herumtanze, markierte der diesjährige Besuch der MBFWB nun schon das vierte Jahr unserer Liaison. Genug Zeit, um die Macken und elementaren Charakterzüge meines modischen Gegenübers zu entlarven. Und lasst euch gesagt sein: Wenn Menschen sich nicht ändern können, dann tut es die Berliner Fashion Week erst recht nicht. 

mbfwb 2016 Berlin Fashion Week Anne Gorke Rebekka Ruetz
oben: Rebekka Ruétz ; Rest: Anne Gorke 

Deine Mama geht zur MBFWB (und betrinkt sich mit Sekt für umsonst): Dinge, die sich bei der Fashion Week Berlin nie ändern werden

Panic at the Dressing Room


Jedes Mal schwöre ich mir, mich bei dem ganzen Modezirkus outfittechnisch etwas zurückzunehmen und meine Alltagsgarderobe nicht gegen glitzernde Leggings und die hohen Hacken aus der hintersten Schrankecke einzutauschen. Jedes Mal geht der Vorsatz nach dem ersten Tag Fashion Week über Bord und die zuvor geplanten Outfits zurück an den Holzkleiderbügel. Egal, wie sehr du deine Fashion-Week-Looks planst - nachdem die ersten Blogger #ootd #onfleek #michaelkors an dir vorbeistöckeln und eine Horde Modejournalisten #allblackeverything #minimalistic #slay deine innere Ruhe perturbieren, haftet eine latente Unsicherheit an dir wie ein Bündel falscher Wimpern. 

Meistens helfen dagegen eine Neuzusammenstellung der Outfits und ein Glas Sekt. Manchmal auch die Aneignung künstlichen Selbstvertrauens, wie es die meisten Besucher haufenweise in ihren kleinen Clutches mit sich herumtragen. Und manchmal ist es auch nur diese eine nette Frau, die dir nach der Modeschau sagt, wie schön sie deinen Pulli findet und damit die Zweifel der letzten drei Tage wegwischt (shoutout!).

Zu kalt, zu klein, zu langweilig: Subtiles Lamentieren für Fortgeschrittene 


Also eigentlich finde ich die Fashion Week ja voll oberflächlich und blöd, und eigentlich ist Berlin auch gar keine Modestadt und...weisst du was? Es gibt nicht mal Essen umsonst und Frauke Ludowig wollte dieses Jahr auch kein Selfie mit mir machen. 
Wenn man über die Veranstaltungen dieser Hauptstadt tingelt, fallen eigentlich überall dieselben Sätze. Es ist kalt, es ist unaufregend und irgendwie auch alles ein bisschen unprofessionell. In Mailand ist die Mode besser, in New York die Parties und in Paris ja sowieso alles. Für jemanden, der sich wenig mit Schnitten und Mode an sich beschäftigt (mich), ist das in Teilen sogar richtig: Es ist immer dasselbe. Die geladenen Promis rotieren gleichsam der Gästeliste im Dschungelcamp und die zumeist deutschen Designer werben mit Nachhaltigkeit und tragbarer Couture. Ein bisschen wie ein Dorffest, bei dem die ganze Kleinstadt zusammenkommt - unspektakulär, aber trotzdem ein schönes Gefühl. Trotzdem tun die omnipräsente Unzufriedenheit, gepaart mit der fehlenden Tiefe (let's be real) vieler Besucher, der Fashion Week und der kreativen Arbeit der Designer und Designerinnen unrecht. Da sitzt jemand monatelang mit einem Konzept an seiner Kollektion, und ein paar nörgelnde Kartoffeln regen sich über fehlende Häppchen auf. Wenn's euch nicht gefällt, dann kommt nicht, ihr Opfer. Und wenn ihr Hunger habt, geht zu McDonald's...

... aber bringt mir bitte ein Happy Meal mit! 


A propos Essen: Es ist auf der Fashion Week tatsächlich leichter, an ein Glas Sekt for free zu kommen, als an feste Nahrung. Das erklärt eventuell das Nörgeln. Das erklärt aber auch, warum ein Teil der Modemenschen lieber in flachen Schuhen herumläuft. Und warum ich jedes Mal mindestens eine Show ausfallen lasse. Dinge, die bei jeder Fashion Week passieren: Dauernd angetrunken sein und das Ganze mit gespielter Überraschung ertragen. Nächstes Mal schmiere ich mir ein Butterbrot. 

Die ganze Planung ist immer für den Arsch


A propos betrunken und à propos Überraschung: Egal wie ausführlich du dein Programm in deinem Glitzer-Agenda eingetragen hast, am Anfang der ersten Tages merkst du, dass er absolut nicht realisierbar ist. Berlin ist größer, als die meisten denken, die Berliner Fashion Week hat mehr zu bieten, als die meisten Unzufriedenen dauernd suggerieren und die Berliner Verkehrsmittel fahren langsamer, als Hauptstadt-Besucher und aus dem Dorf Zugezogene es sich in vollem Optimismus erwarten. Merke: Umfangreiche Planungen vor der Fashion Week sind keine Garantie für tatsächliche Realisationen. Und: Falls doch, bist du am Ende entweder gestresst, kaputt gelaufen, betrunken oder alles zusammen. 

Fashion Week ist IMMER spaßiger, als es klingt. 


Ja, es kommt unerwartet - auch für mich. Aber die Fashion Week ist für mich jedes Mal ein weitestgehend gelungener Spaß. Mode ist nämlich durchaus eine schöne Ablenkung von anderen Dingen. Und gleichzeitig ist sie genau das für mich persönlich mittlerweile nicht mehr: Eine  Ablenkung von wirklich wichtigen Dingen. Die Fashion Week ist sozusagen Urlaub fürs Gehirn - und die Woche Urlaub kann man, wenn sie denn schon mal da ist, auch genießen, bevor der Ernst des Lebens dekadente Sektfrühstücke, Glitzerblazer und Outfitüberlegungen ersetzt. 
Und obwohl die Fashion Week für mich ein wunderbares Privileg ist, das ich jedes Mal schätze, ist diese Welt nicht meine - sie war es nie, sie wird es nie sein und überhaupt - deine Mudder. Also, danke, Fashion Week, dass ich die kreativen Menschen aus deinem Umfeld beobachten darf. Danke, dass ich dich zwei Mal im Jahr besuchen darf. Danke, dass du mir auch echt schöne Mode zeigst. Und danke, dass du mir jedes Mal wieder bestätigst, dass der Abbruch meines Modedesign-Studiums eine echt gute Entscheidung war.  

Ein von REBECCA (@rebiwankenebi) gepostetes Video am

1 Kommentar:

  1. Interesting clothes :)
    BLOG M&MFASHIONBITES : http://mmfashionbites.blogspot.gr/
    Maria V.

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Ich bedanke mich für euer Feedback und freue mich sehr herzlich über allerlei Nettigkeiten und Kritiken. Wer beleidigt, ist doof, und wer "Gegenseitiges Verfolgen" Anfragen verschickt auch ein bisschen.

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