Ich schwöre feierlich, dass ich auf meinen Beach Body scheisse.

Kaum kitzeln einen die ersten Sonnenstrahlen an der Nase, propagieren hunderte von selbsternannten Frauenmagazinen, Fitness-Ketten und Nahrung-in-Pulverform-Herstellern wieder den Beach Body. Dabei ist so ein Beach Body viel mehr, als es die vage Bezeichnung eigentlich vermuten lässt. So viel mehr. Anstelle einer Veränderung der Landschaft, mit der die bloße Verlegung meines Körpers in maritimere Gefilden die Vollendung meines tatsächlichen Beach Bodys bedeuten würde, geht mit der gesellschaftlichen Idee des Beach Body ein ganzer Lifestyle einher. Und zu dem gehören unter anderem Pulverfraß, happy salad faces und sehr einheitliche Bikinimodelkörper, mit denen sich die wenigsten echten Beach Bodies identifizieren können. Oder wollen. 

Nachdem ich im Oktober zum letzten Mal ein Fitnessstudio von innen gesehen habe, plagte mich das schlechte Gewissen um das verlorene Geld und die vernachlässigte Disziplin viel länger, als ich es selber cool finde. Mit den Weihnachtsfeiertagen, dem Winter und dem allgemeinen Diskurs Hey, chill mal, bis zum Beach Body bleibt dir noch etwas Zeit! (#yolo) hatte es sich dann auch erstmal mit dem Sport erledigt. Wer schonmal ein Flatrate-Fitnessstudio besucht hat, weiß, wie brechend voll es da nach Silvester ist. Und wer schonmal den Fernseher eingeschaltet hat, hat eventuell erkannt: Das ist der Zeitraum, in dem die Werbemenschen wieder mit ihrem Beach-Body-Scheiss anfangen. Das Ende der Winterpause, der Beginn des Hauruck-Battles um den imaginären Festtagsspeck, der Startschuss zur erneuten Schlacht mit dem inneren Schweinehund um Muffintops und Co. Schon blöd, wie wir uns immer wieder in diesen kapitalistischen Kreislauf eingliedern: Essen, hungern, essen, hungern, laufen, trainieren, um die Bewunderung fremder Menschen buhlen, essen, hungern, wiederholen. 
Und irgendwann merkte ich, wie ich da so mitdrehte, in diesem Kreislauf. Mit meinen 15 Wiederholungen hier, 15 Mal drücken da, Bauch checken, kurz innehalten, bevor das Stück Kuchen im Bauch landet, mit schlechtem Gefühl darüber nachdenken, wann der nächste Besuch im Fitness ansteht  - schließlich bringen nur regelmäßige Trainingseinheiten Erfolge -, Fitnessfans auf Instagram folgen, an Fitnessrezepten scheitern, dies, das, war ich am Ende selbst ein kleines Zahnrad des Wahnsinns, mit dem echte Beach Bodies krank gemacht werden und echte Scheissmaschinerien sich die Taschen vollstopfen.


cupcake oder bikini body beach body riots not diets
Ich trage ab jetzt auch Fanshirts von meinem Lieblings-Cupcakeladen.

Jeder Body ist ein Bikini Body - und jeder Tag ist ein guter Tag für gutes Essen


Das fand ich dann irgendwie nicht mehr ganz so gut. Wollte ich mich jetzt wirklich zum Opfer dieser Ideologie entwickeln? Was war eigentlich diese Selbst-Akzeptanz, die ich mir so gerne auf die Fahne schrieb? Und würde diese eigentlich auch noch da sein, wenn sich der Bauchansatz dann tatsächlich mal abzeichnete? Mit Motivation zum körperlichen Nichtstun und einer kleinen Portion Zufriedenheit über den längerfristigen Trainingsausfall (Ich bin ein Sportmuffel and I ain't afraid to show it) beschloss ich also, mich mir persönlich wichtigeren Dingen zu widmen und erstmal an meinem Kopf zu arbeiten, bevor ich mich wieder um meinen Arsch kümmern würde. Das ist ein Prozess, und wenn ein nicht unbeträchtlicher Teil von uns im Sommer womöglich einen krassen Beach Body ausführen wird, dann will ich im Kopf so weit sein, dass mein Body ein echter Beach Body ist - sofern er sich denn in der Nähe eines Strandes befindet. Pool Body und Park Body sind aber auch ok. 
Entgegen aller böse anmutenden Sprüche weiter oben verurteile ich sportliche Aktivitäten an sich übrigens gar nicht so, wie es aussieht. Nämlich gar nicht, um genau zu sein. Ich weiss das Gefühl des Auspowerns zu schätzen, genieße tatsächlich manchmal Zeit mit mir selbst und würde mich sogar so weit aus meinem Prinzessinnenturm lehnen und behaupten, dass der Sport ein Weg ist, mich mehr und besser mit meinem Körper auseinanderzusetzen. Andererseits weigere ich mich vehement, erneut in diese Spirale aus Verpflichtungen,  Belohnungen, Muss' und Solls und Darfs zu springen und meine Entscheidungsmacht dahingehend noch einmal so abzugeben. 

Deine Mudder darf keinen Schokoladenkuchen essen, hörma! Und die interessiert sich bestimmt auch als einzige für deinen Beach Body! Also: How to have a beach body? Have a body. Go to the beach. Love yourself. 

Kommentare:

  1. "erstmal an meinem kopf zu arbeiten, bevor ich mich wieder um meinen arsch kümmere." amen, sister! :D bester spruch.

    AntwortenLöschen
  2. Am Strand fühl ich mich immer ganz unsicher, trotz regelmäßigen Trainings. Dadurch, dass ich so viel trainiere, kriege ich auch immer mordshunger und bei Hunger muss ich essen. Stundenlang (naja ich koche schnell) steh ich täglich in der Küche und koche...kein fitnessgerechtes Essen. Essen macht Spaß und Sport zwar nicht, aber Kraftsport mag ich. :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bei mir war das ähnlich, aber dann in Kombination mit diesem Belohnungs-Ding. Dementsprechend gäbe es aber kein Belohnungsessen ohne Sport. Hat mich zwar meistens nicht vom Essen abgehalten, aber der Schatten dieses sich langsam entwickelnden Systems dahinter hat mich (bei mir!) irgendwann gestört. Jedenfalls, Sport: Ich hasseeee es, diese Übungen immer 100 Mal zu wiederholen. Aber Cardio hasse ich auch. Ich hasse Sport (meistens). Ich liebe Essen. Schnelles Kochen for the win!

      Löschen
  3. Unterschreib ich so....bis auf den Teil mit dem Fitnessstudio, dem hab ich schon lang abgeschworen! :D

    P.S. Toller Blog - gleich mal in meinen Reedfeed aufgenommen! :)

    AntwortenLöschen
  4. Also ich ess halt echt viel zu gern für den Scheiss :-D Merk allerdings auch dass ich mich grad nicht sooo wohlfühle. Einfach weil ich eigentlich echt gern Sport mach und momentan null Zeit für hab, was mich bei dem genialen Wetter noch mehr ärgert. Trotz allem ertapp ich mich aber auch immer wieder dabei, dass mich schlanke Bikini-Models auf Zeitschriften-Covers irgendwie deprimieren :-D Aber das wird wohl immer irgendwie so bleiben. Aber wenn man halt nicht auf Gummibären und Sekt verzichten mag, dann muss man da wohl durch :-D

    AntwortenLöschen
  5. wo kann ich unterschreiben? :)
    ich mach gerne Sport und ich esse gerne - ja ich esse Salat wirklich gerne, hab auch nichts Gemüse, aber das überbacke ich eben auch mal gerne mit Käse und nun hier in Brighton gibt's zauberhafte Cafés, da wird sich dann auch regelmäßig ein Brownie gegönnt, ich schau einfach mal was dabei rauskommt und leg mich mit diesem heißen Body an den Beach --> Beach Body :D
    ach und mit Fitnessstudios kann ich übrigens gar nichts anfangen, beim Schwitzen will ich wirklich nicht beobachtet werden :)

    Liebe Grüße Katrin

    AntwortenLöschen
  6. Perfekte Einstellung - ich liebe Sport, bin gern dabei, tummle mich auch nach Silvetser im Fitii, auch wenns dann voll wie in einer Sardienenbuchse ist, aber ganz sicher nicht, um perfekt auszusehen (das tu ich ungeschmminkt eh nicht XD) - das Auspowern und der freie Kopf danach, sowie der gesunde Rücken, darum gehts mir und wenn ich Bock hab, ess ich danach auch gleich noch ein Stück Sachertorte...

    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen

Ich bedanke mich für euer Feedback und freue mich sehr herzlich über allerlei Nettigkeiten und Kritiken. Wer beleidigt, ist doof, und wer "Gegenseitiges Verfolgen" Anfragen verschickt auch ein bisschen.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...