Mein allererstes Tattoo: Was du beim Tätowieren beachten solltest.

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Als ich vor fast sechs Jahren mein allererstes Tattoo bekam, habe ich den Tätowierer gekränkt, fünf Tage nicht geduscht und mich im Bruchteil einer Sekunde aus dem Testament meiner Eltern katapultiert. Alles typische Anfängerfehler, die nach mir womöglich viele andere Menschen in ihrer jugendlichen Uninformiertheit begangen haben. Womöglich aber auch nicht. Damit ihr in jedem Fall nicht irgendwann zu all jenen gehört, die beim ersten Satz ernüchtert been there, done that in Richtung ihres stillen Bildschirms geflüstert haben - so mit einer Träne im Augenwinkel - sollen euch ein paar (subjektive!) supergeheime Geheimtipps durch den Prozess eurer ersten Tätowierung führen. Frisch geduscht, freundlich wie eh und je und im Idealfall ohne innerfamiliäre Konflikte.

Von der Motivwahl bis zum Termin: Was beim Tätowieren so auf dich zukommt.

Für die auf die Goldwaage legenden Menschen sei natürlich an dieser Stelle erneut gesagt, dass jeder Termin, jeder Tätowierer und jeder Tätowierte anders und dieser Text keine Tätowierbibel ist, um die ihr vor jedem Tattootermin einen Sack Hühnerfedern werfen und sieben Mal im Hüpfschritt tanzen müsst. Drei Dinge solltet ihr euch trotzdem als oberste Gebote an den Kühlschrank heften:
1. Es tut weh. 2. Es bleibt da, auch wenn du vor dem zehnten Tag duschst. 3. Die Idee mit der Infinity-Schleife hatte schon jemand vor dir. 

Die Wahl des Motivs


Von der ganzen Aufregung um mein erstes Tattoo will ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen. Es war unglaublich bedeutungsschwanger, hatte eine deepe Message, die ich am liebsten jedem Fremden auf der Straße vorgetragen hätte und macht die unendlichen Schleifen, die so viele an ihren Zeigefingern rumtragen, für mich heute ein bisschen nachvollziehbarer. Heute denke ich: Ein Motiv sollte vor allem schön aussehen und eine tiefe Bedeutung mit 101 Symbolen und Andeutungen brauche ich nicht. Das sieht natürlich jeder Mensch irgendwie anders, weswegen ich direkt bei Punkt Eins viel weniger kluge Ratschläge erteilen kann, als ich es großkotzig angedeutet hatte. 

In jedem Fall solltet ihr euch sicher sein, was ihr da auf euch herumtragen werdet. Könnt ihr auch in 30 Jahren bedenkenlos mit dem "Fuck Bitches, get Money"-Schriftzug auf eurem rechten Unterarm herumlaufen? Dann lasst es euch lieber gar nicht erst in die Haut ritzen. Denkt über Inhalt, Farbe und Stil nach und googelt ruhig ein bisschen rum, wie andere Menschen ähnliche Ideen umgesetzt haben. Sich inspirieren lassen ist nämlich vollkommen in Ordnung - bestehende Tätowierungen oder andere Kunstwerke kopieren dagegen sehr uncool und technisch gesehen sogar strafbar. Näheres dazu könnt ihr im Kleiderkreisel-Forum nachlesen, da gibt es nämlich eine selbsternannte Tattoopolizei für solche Dinge. 

Die Wahl des Tätowierers


Und wenn ihr nicht selber an euch Hand anlegen wollt oder schräge Versuchskaninchen-Deals mit angehenden Tätowiererfreunden abgeschlossen habt, sollte spätestens nach der Motivwahl die Suche nach einem Tätowierer oder einer Tätowiererin auf eurer To-Do-Liste stehen. Einen klugen Leitfaden für eine gute Entscheidung diesbezüglich kann ich euch leider nicht zusammenstellen. Wichtig ist, dass ihr euren zukünftigen Tattoo-Kumpanen nicht als Arschloch bezeichnen würdet (weder vor ihm, noch hinter seinem Rücken), Vertrauen schenken könnt (let it go! let it goo!) und euch auch sonst gut aufgehoben und wohl fühlt. Und dass ihr seine oder ihre Arbeiten gut findet, natürlich. Ihr könnt natürlich auch blind zu Skratcher des Bekannten der Bekannten des Freundes eurer Mutter gehen, aber macht das mal lieber nicht, weil siehe oben. Über die Sache mit dem Geld hatte ich vor ein paar Jahren schonmal etwas geschrieben. Mittlerweile bin ich nicht mehr zwingend der Meinung, dass Qualität ihren Preis hat. Von Sitzungspreisen zwischen 75 und 150 Euro pro Stunde habe ich jedenfalls schon viele Variationen erlebt und beinahe alle meine Tattoos sehen super aus. 
Ich persönlich halte mich beim Ausschau nach potenziellen Tätowiererinnen oder Tätowierern fast gänzlich ans Internet. Bekanntlich gibt's hier allerhand Dokumentationen und Portfolios, Informationen zur Terminvergabe, Kontaktangaben und überraschend erfreuliche Guestspots in eurer Heimatstadt (wuhuhu). Erfahrungsberichte gibt es auch, aber die werden oft von der Tattoopolizei kontrolliert, deswegen gebe ich da nicht so viel drauf. Ach, macht doch was ihr wollt!


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Tag X - Der Termin 


Dümdümdüm! Nach ausgiebiger Planung, diskretem Stalking eures auserwählten Tätowierers und unglaublich viel Vorfreude auf das Tattoo steht tatsächlich irgendwann dieser ominöse Termin im ominösen Tattoostudio an. Ihr solltet vorher gut schlafen, gut essen, duschen und auf euren Zyklus achten, wenn ihr weiblich seid. Wenn ihr gerade menstruiert, seid ihr nämlich eventuell schmerzempfindlicher und leidet im schlimmsten Fall gleich doppelt (und blutet auch an mehreren Stellen. just sayin'.) 

Ansonsten ist der Termin im Tattoostudio nur halb so schlimm, wie ihn sich die meisten vorstellen. Im Grunde ist es da sogar ziemlich entspannt. Ihr könnt rumliegen, smalltalken, Atemübungen aus längst vergessenen Meditationskursen absolvieren, über Dinge nachdenken und Gummibärchen in euch reinstopfen. Meine Geheimwaffe für lange Sitzungen ist übrigens Capri Sonne (die mit dem Schraubverschluss!) und diese Info immerhin ein Grund dafür, im Teaser des Artikels für supergeheime Geheimtipps zu werben. Ob sich euer Tätowierer mit euch unterhalten möchte, erkennt ihr meistens an seinem Gesicht. Oft seid ihr aber beide zu konzentriert auf Schmerzen, Arbeit und gerade Linien, sodass nur wenige philosophische Gespräche zustande kommen. Sich Tätowieren Lassen tut übrigens tatsächlich weh, aber ihr werdet davon ziemlich sicher nicht sterben und es wäre schön, wenn ihr euch und alle anderen Menschen im Studio nicht verrückt machen würdet. Einatmen, ausatmen, auf das Tattoo freuen, Hörbücher hören, Capri Sonne trinken und die Punkte auf der Tapete zählen. 
Um eine genaue Pflegeanleitung kümmert sich in der Regel euer Künstler oder das Internet. Wenn ihr wollt, dass alles besonders schnell verheilt, müsst ihr euch auf den Kopf stellen und drei Mal Bohemian Rhapsody von Queen aufsagen, ohne umzufallen. Happy Tattooing!


Kommentare:

  1. Sehr cooler Artikel! Ich mag deine Schreibweise sehr und dein Rosen-Tattoo ist unglaublich hübsch. :)
    Liebe Grüße,
    Natalie

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  2. oh geilo :) ech sin mol gespaant... ech hu laang geward an war mer laanv onsecher mee am september ass et endlech sou wait an ech leen mech dann och dei eischt keier ennert Nool ������ ech haalen sech um laafenden ��

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  3. Tatsächlich musste ich beim Verfassen des Textes auch an euch denken, aber eher als positives Beispiel. Jedes mal, wenn du über euch schreibst,merkt man, dass ihr Ecken und Kanten habt. Vielleicht weil du mehr aus eurem Alltag schreibt vielleicht? Das ist nicht dieses ohhh Jaja Pärchen #perfect Du verstehst? :D

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Ich bedanke mich für euer Feedback und freue mich sehr herzlich über allerlei Nettigkeiten und Kritiken. Wer beleidigt, ist doof, und wer "Gegenseitiges Verfolgen" Anfragen verschickt auch ein bisschen.

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