Was machen Sachen, Snapchat?

snapchat filter warum braucht man snapchat? blogger

Nach zahllosen Selfies mit Hunde-, Katzen- oder Kylie-Jenner-Lippenfilter, die ich mir in den letzten Monaten auf Instagram ungewollt reinziehen musste, ist es nun so weit: Ich habe die Geister in den Bildern gefunden und tummele mich mit einigen Millionen (200 Millionen, um genau zu sein) anderer Menschen in diesem ominösen Snapchat. Dieser App, die bei zahllosen Kolumnisten und Kolumnistinnen auf Ablehnung stieß, für verloren gegangenes Datenvolumen vieler Freundinnen sorgte und die ich unlängst als erste App überhaupt auf dem "Ich bin zu alt für diesen Scheiss"-Haufen verrotten lassen wollte. 
Nun haben mich die schleckenden Hundemädchen und Blumenkränze dieser Welt also doch dazu verführt, die Front-Kamera meines Handys auch abseits der täglichen "Ey guck meine Katze liegt so süß auf meinem Schoß!"-Fotos zu verwenden. So richtig verstanden, warum ich meinem Bruder jetzt jeden Tag ein Schweinefoto von mir selbst schicke, habe ich trotzdem nicht.

Ich bin dann mal offiziell eine Mitläuferin, aber immerhin kann ich mich dabei in ein pausbäckiges Kind mit glasigen Kulleraugen verwandeln. 

Beschreibe Snapchat in einem Wort: Vergänglich

Schwer zu glauben, aber: Ich habe mich sehr lange gegen Snapchat gewehrt. 
Nicht, weil ich es einfach nur blöd fand. Ich fand es blöd und schwer verständlich. Noch heute, nach einer Woche der hemmungslosen Nutzung, weiß ich nicht wirklich, was meine Snapchat-Story von meinem Instagram-Account unterscheidet und warum ich mit mir hundsfremden Followern in Hundemontur einen persönlichen Bilder-Video-Nachrichtenwechsel eingehen wollen würde. Was mir die Trophäen (Du bist krass, weil: Du hast ein Video ohne Ton verschickt) bringen sollen, ab wann meine Familienmitglieder genug von meinen gefilterten Grimassen haben werden und warum diese Instagrammodels noch immer der Meinung sind, eine feuchte Hundenase würde sie annähernd sexy aussehen lassen, auch nicht. Ich sollte mir das nochmal von meiner kleinen Schwester erklären lassen. Weil sie Snapchat kann. Und ich offenbar nicht. 

Vielleicht lässt sich meine Immobilität im Mobilen damit erklären, dass ein Großteil der Snapchat-User mit 13 bis 17 Jahren einige Jahre jünger sind als ich und ich auch das Höchstalter der Mehrheit der Nutzer, immerhin 24, demnächst überschritten haben werde. Ich kann mich also getrost denjenigen zugehörig nennen, die keine Geduld für die neuen Tücken der Technik haben und auch sonst nicht wirklich wissen wollen, wie man mit den Postern an seiner Wand einen erfolgreichen Face-Swap absolviert. Bis vor einigen Wochen war ich schließlich noch sehr überzeugt davon, dass man jeden einzelnen Filter innerhalb der App downloaden oder gar käuflich erwerben muss.


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Warum brauche ich denn Snapchat?, fragte sie und erfreute sich an ihrem Pandagesicht


Noch während ich diese Zeilen schreibe, schieße ich drei Fotos mit Zahnspange, lese den "Warum du als Bloggerin Snapchat brauchst"-Artikel einer anderen Bloggerin und frage mich, ob mir die großen Lippen, die mir ein neuer Filter nahelegt, auch im echten Leben stehen würden. Warum Snapchat kürzlich so einen Boom erfahren hat, habe ich womöglich schon im ersten Absatz dieses Artikels beschrieben: Alle reden davon, wie sie es tun oder nicht - und ehe du dich versiehst, ist dieses unsäglich hässliche Geist-Logo mit dem gelben Hintergrund einfach überall. 
In Zeiten, in denen ich eh jedes künstlerisch aussehende Mahl voller Stolz verschicke, den Freund mit Katzenfotos bombardiere und die Redaktionsgruppe erst von randomisierten, lustigen Fotos so richtig zum Leben erweckt wird, gliedert sich dieses Snapchat durch seine Schnelllebigkeit perfekt in den virtuellen Rhythmus vieler junger Menschen ein. Und hat dann doch einen sehr erheblichen Vorteil (neben dem Schweinefilter, natürlich): Die Nachrichten werden nach maximal zweimaligem Anschauen gelöscht und verschwinden im Nirvana eines kalifornischen Servers. Heisst: Kein nächtliches Löschen von halbleeren Chipstüten, angeberischen ersten Sonnenstrahlen und einer besorgniserregend großen Anzahl an immer wieder gleich aussehenden Katzenbildern. Eigene Fotos abspeichern kann nur, wer mag. Oder die Gemeinde eines anderen Sozialen Netzwerkes mit Hundefotos belästigen muss. 

Das macht natürlich noch immer alles keinen Sinn. Aber Spaß. 

Kommentare:

  1. Ich bin total bei dir. Ich habe mich jetzt ewig dagegen gewehrt, ich wollte mich nicht mit noch einer App auseinander setzen. Und nun? Naja jetzt hab ichs doch. Und irgendwie macht es durchaus Spaß. Kurze Videos drehen, das teilen was keinen Platz auf dem Blog findet. Einblicke in das Leben von Freunden und witzige Ausraster über Gott und die Welt ansehen. Irgendwie habe ich mir das nerviger vorgestellt und nicht so spaßig

    Liebe Grüße
    http://hydrogenperoxid.net/blog/

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  2. Ein wirklich toller Beitrag, bei dem ich gleich an mehreren Stellen lachen musste. Ich fühle mich auch definitiv zu alt für Snapchat und im Gegensatz zu dir habe ich bisher keinen wirklichen Spaß an Snapchat gefunden. Höchstens mal abends, in einer Gruppe, in der alle Snapchat haben und keiner es so wirklich versteht ;). Aber vielleicht werden Snapchat und ich ja doch noch Freunde ;).
    Liebe Grüße an dich

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Ich bedanke mich für euer Feedback und freue mich sehr herzlich über allerlei Nettigkeiten und Kritiken. Wer beleidigt, ist doof, und wer "Gegenseitiges Verfolgen" Anfragen verschickt auch ein bisschen.

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