Weil ich ein Mädchen bin: Girl-Power ist der neue heiße Scheiss.

Zeiten ändern sich, Zeiten ändern dich, rappte einst Bushido, und obwohl ich mir keine Person vorstellen kann, die schlechter zu einem Artikel über Girl-Power und Mädchenliebe passen würde, so ist es doch dieses eine Zitat dieses beispiellosen Vollpfostens, der mir im Kopf schwirrt, wenn ich an dieses neue Gefühl des Empowerments denke, das ich heute gerne wie Fuffies durch den Club schmeissen möchte. Das mit der gegenseitigen Unterstützung - besonders unter Frauen - ist nämlich so eine Sache, die ich so ganz und gar nicht mit durch meine Jugend getragen habe. Im Gegenteil: Als bei mir einst Brüste und Pickel anfingen zu sprießen, gab es immer diesen Blick auf die anderen Mädchen. Die, mit der reinen Haut. Die, mit dem glatten, langen, blonden Haar. Die, die bessere Noten schrieben, bessere Freunde hatten, schönere Klamotten oder einen höheren Tanzkurs besuchten. Und so trug ich viel zu oft eigene Unsicherheit durch die Welt und ließ sie in bösen Blicken und Worten an den anderen aus. Kurz zuvor hatte man das schließlich auch so bei mir gemacht. Und bei vielen anderen anderen Mädchen

Ich könnte jetzt darüber reden, wie man mich mobbte, heulend ins Schulklo scheuchte oder mir Fotos von meinem Handy klaute und an den ganzen Campus verschickte. Von den kleinen Fickern erzählen, die die Wehrlosigkeit mancher Mädchen ausnutzten und sie mit ihrer pubertären Kackscheisse schikanierten. Oder den Mädchen, die Konkurrenzkämpfe ins Internet verlegten und ihre Feindinnen mit Foto und bösem Bilduntertitel auf ihren frühen Blogs bloßstellten (blog-game since 2004!). 
Denn diese Zeiten gab es - und auf dem Blog würde es sicher besser aussehen, nur Opfer von.. zu sein. Weil Image und so. Tatsächlich gab es aber auch Zeiten, in denen ich mich auf der anderen Seite befand und meinte, andere Mädchen mit meiner jugendlichen und neu erlangten Weisheit (am Arsch!) bearbeiten zu müssen. Die Kackscheisse erspare ich euch, meiner Scham und meiner zukünftigen Arbeitgeberin an dieser Stelle gerne.

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Und was wäre, wenn Frauen sich mehr unterstützen würden?

Fakt ist: Girl-Hate gab und gibt es. Überall. Laurie Penny schreibt in ihrem Buch Unspeakable Things: Sex, Lies and Revolution von einem metaphorischen Wettbewerb, an dem wir jungen Frauen durch das gesellschaftliche System dauerhaft teilnehmen. Darin werden wir zu harten Konkurrentinnen im Kampf um die schönste, beste und klügste Frau - als ob dieser Platz ein krasser, begehrter und streng limitierter Pokal sei. Um es mit der Direktheit Pennys zu sagen: Es geht darum, das zauberhafteste und koitabelste Stück zu werden, während sich ein Haufen privilegierter, sexistischer Kackscheisser einen Ast ablacht und sein Kackgeld über den Hintern einer Stripperin regnen lässt. 
Serious question: Warum hassen wir uns so? Viel einfacher und schöner wäre es doch, Hotpants Hotpants sein zu lassen und uns gegenseitig zu unterstützen. Egal, ob wir mit den sexuellen und vestimentären Entscheidungen anderer Frauen persönlich etwas anfangen können. Und auch, wenn die makellose Figur der anderen uns jedes Mal einen kleinen Stich in der Magengegend verpasst und alle Vorsätze über Selbst- und Körperliebe auf den Boden plumpsen und wie ein paar Murmeln unkontrolliert zwischen unseren Füßen rollen. 
Natürlich ist so eine Idee von globaler Girl-Power in Anbetracht von Topmodel-Shows, anonymem Internet-Hass und cellulitigen Paparazzi-Fotos am Strand, über denen irgendwelche gewissenlose Gossip-Redakteure in unnatürliche Schadenfreude ausbrechen (OMG Becky! Look at her butt), eine Utopie. Aber zumindest in unseren eigenen Reihen wäre mehr Girl-Power und weniger Girl-Hate schon mal ziemlich cool. Nein, dass muss ich zurücknehmen. Hört auf mit Girl-Hate. Überall.

Unterstützt euch. Seid nett zueinander. Helft euch gegenseitig und fragt nach, wenn es einer von euch nicht gut geht. Und traut euch, anderen Mädchen Komplimente zu machen! In der Uni sprach mich letztens eine Frau an und sagte mir einfach so (!), dass mein Rock schön sein und wo ich ihn herhätte.  Fand ich einfach mal viel krasser als die gespielte Betroffenheit über meine Rocklänge früher. Und meine eigene Feindseligkeit gegenüber anderen Mädchen. 
Aber damals habe ich auch noch Bushido gehört - vielleicht kommt so was ja auch von so was

Kommentare:

  1. Ein schöner Aufruf!
    Vielleicht wäre es gut, wenn Mädchen und Frauen weniger versuchen würden, jederzeit fuckable zu sein, sondern sich einmal ernsthaft fragen, ob die Jungs und Männer es überhaupt sind.

    Vor einiger Zeit habe ich sehr interessante Zeilen gelesen, die mir gut in Erinnerung geblieben sind. Die Aussage ist ungefähr diese:
    Wenn wir junge Mädchen sind, versuchen wir ums Verrecken älter zu wirken und zu sein. Kaum sind wir älter, versuchen wir mit aller Gewalt wieder zu einer 17-jährigen zu werden.

    Ziemlich absurd, nicht wahr?!

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  2. Das Thema ist auf jeden Fall momentan ganz groß! Also habe ich im Gefühl, ich rede auch mit Leuten vermehrt über diese "Stutenbissigkeit" und finde es auch ganz furchtbar. Ja, wer mag das eigentlich? Und trotzdem ist sie irgendwie da. Früher hatte ich auch dieses dumme Denken, "Männer sind viel besser, lustiger, unkomplizierter". So ein Scheiß einfach. Ich hatte bis dato einfach nicht die richtigen Bekanntschaften (typisch Klassenkameraden). Frauen sind super. Ich nehme sie in Schutz, wenn jemand sagt, dass "die ja voll slutty" ist und sage, dass sie einen tollen Körper hat. Komplimente verteile ich auch gern-kann es aber nicht gut. Immerhin.

    Ich hab mir angewöhnt Frauen anzulächeln, die ich hübsch finde, die was Schickes tragen. Letztens ebenso ein Mädel angelächelt, das die gleichen Schuhe anhatte...und sie hat zurück gelächelt! Kein von oben herab, kein Gezicke, einfach ganz einfach.

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  3. Alter Schwede...echt "entspannend" deine Artikel zu lesen, irgendwie geht das viel flüssiger runter als jeder andere perfekt ausformulierte Post von irgendwelchen Motivationstrainern...aber wird sich das wirklich jemals ändern...also girlhate?

    Ich gebe tatsächlich Komplimente und manchmal starre ich vielleicht zu offentsichtlich dem Mädchen mit dem Zuckerwattehaar hinterher, weil ich mich frage ob es wohl genauso schmeckt wie es aussieht und klar meine Nachbarin hat bestimmt schon den ein oder anderen Angstkrampf bekommen weil ich sie mit meinem kranken Süßigkeiten Haben-Will- Blick beglubsche (da is' sie selber Schuld, warum riecht die auch nach einwandfreien Vanillepudding o_O) aber letztendlich werde ich sogar von eigentlich netten Freundinnen darauf aufmerksam gemacht wie ich denn bitte anderen Frauen zugestehen kann, dass sie zB hübsch aussehen, ich glaube manche Frauen sind nicht für Nächstenliebe gemacht *idontknow*

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  4. aaahhh erstmal danke für die großartigen ersten Zeilen, es ist doch schön unerwartet vorm Laptop laut lachen zu müssen! :)

    zum Post: Recht hast du! ich hab vor Jahren auf der Straße von einer Frau für meinen Hut ein Kompliment bekommen - ich weiß das immer noch, weil ich mich so gefreut hab, weil ich meinen Hut so liebe und ich damit nicht gerechnet hab :)
    ich versuch's ja ein bisschen T. zu machen, aber ich muss da noch dran arbeiten - total bescheuert eigentlich..

    Liebe Grüße Katrin

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Ich bedanke mich für euer Feedback und freue mich sehr herzlich über allerlei Nettigkeiten und Kritiken. Wer beleidigt, ist doof, und wer "Gegenseitiges Verfolgen" Anfragen verschickt auch ein bisschen.

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