Überraschende Abgabetermine - Same Story, different Semester

Es ist an Neujahr so, es ist vorm Sommer das Gleiche, warum sollte es in der Uni also anders laufen? Vorsätze sind, das habe ich auf dem Blog das ein oder andere Mal gedroppt, nichts für mich, denn ich bin die selbsternannte und vielfach bewährte Master of Disaster. Und so klang es zwar gut und schön, als ich am Ende des letzten Wintersemesters motiviert plante, wie ich meine Termine so lege, dass ich am Ende nicht wieder mit einem Berg unerledigter Arbeit in meinem Handtäschchen herumlaufen muss. In Wahrheit erschlugen mich das Ende der Vorlesungszeit und die damit einhergehenden Prüfungstermine aber schon wieder so hart wie dieser verrückte, unkontrollierbare Baum bei Harry Potter. 

Wieso Abgabetermine trotz halbherziger Planung immer wieder total überraschend kommen, weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich geht die Zeit bis zu den Semesterferien - im Gegensatz zu früher, als ich noch die Tage bis zu den Sommerferien gezählt habe - einfach zu schnell um. Und eventuell brauche ich wirklich etwas Druck, um eine gewisse Ich-muss-das-jetzt-aber-wirklich-mal-machen Haltung anzunehmen. Ja, das sagen alle und sitzen am Ende doch heulend in der Bibliothek. Aber trotzdem: Ich habe ein Problem mit der Prokrastination, und da bin ich mir sogar ziemlich sicher. Prokrastination - das ist doch dieser klischeehafte Zustand, den Studierende haben und der sie Gardinen waschen, Türrahmen lackieren und voreilig Stundenpläne zusammenstellen lässt, nur, damit sie nicht lernen müssen (#fügehiereinvorurteilüberfaulestudierendein)? Ja, sowas. 

Aber was tun gegen diese Prokrastination? Wie werde ich sie los, in 10 Semestern? Und lohnt es sich überhaupt, dagegen anzukämpfen?

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Quelle: Chibird 

Die einen schmieden Pläne, die anderen brechen zusammen. So ist das halt. 

Ich wollte eigentlich wie eine richtig seriöse Bloggerin ein paar richtig seriöse Tipps zum erfolgreichen Planen durch den Club schmeissen. Aber dann dachte ich daran, wie ich letztes Semester seriös geplant habe und doch von meinen Abgabeterminen überfahren wurde. Also scheiss drauf, es gibt zwei Möglichkeiten:

1. Du planst. Und du ziehst deinen Plan durch. Verdammt noch mal!


Dinge planen ist an sich nichts Schlechtes. Ihr wisst direkt zu Beginn eures Semesters, was ihr tut, was ihr demnächst zu tun habt und wann ihr damit anfangt. Theoretisch, aber wir gehen jetzt einfach mal davon aus, immerhin handelt es sich hier um den Punkt für die planungsfähigen Menschen. (Alle anderen überlesen bitte bis Punkt 2.)

Für ein erfolgreiches Planen ist es dabei elementar, die Prüfungsordnung zu kennen, die bevorstehende Arbeit und deine Kapazitäten gut einschätzen zu können und den nächsten Urlaub irgendwie besser als mitten in die Examen zu legen. Setzt euch rechtzeitig mit dem Stoff der Vorlesung oder des Seminars auseinander, überlegt euch ein gutes Thema für die Hausarbeit und sucht die passende Literatur zusammen, bevor alle anderen euch die Bücher vor der Nase wegausleihen. Ich empfehle euch außerdem, eure Referate und Gruppenarbeiten, so weit es möglich ist, ein bisschen über das ganze Semester zu verteilen. Ganz schön ist es auch, wenn ihr nicht kurz vor dem Abschlusstest im Sprachkurs merkt, dass ihr die Hälfte der Vokabeln nicht drauf habt und etwas mehr Zeit zum Lernen habt. Been there, done that.
Tja und wenn zwischendurch keine unvorhergesehenen Dramen wie Trennungen, Jobverluste oder sonstige Katastrophen passieren (wir leben in 1 gefährliche Welt), dann klappt das mit Planung und etwas Disziplin sicherlich hervorragend. Weil ich nicht planen kann, gibt's für den letzten Satz aber keine Garantie von mir. 

2. Wenn es kommt, dann kommt es! Und dann kämpfst du - immer mit einem Ausdruck von Überraschung im Gesicht


Ich gehöre sowas von zwischen Punkt 1 und Punkt 2. Ein Ass in der Planung, eine Niete im Durchziehen. Irgendwie bleibt schließlich immer genug Zeit zum Aufschieben - und am Ende wird alles gut. Stressig, aber gut. Dass manche Menschen unter Druck besser arbeiten können ist dabei keine krass klingende Bewerbungsgespräch-Floskel à la Ich bin ein Teamplayer oder Mein einziger Nachteil ist, dass ich so perfektionistisch bin, sondern eine ernst gemeinte und ehrliche Umschreibung von Ich muss mir manchmal selber in den Arsch treten und mich von meiner Seriensucht befreien.

Ich bin meistens überrascht über den schnellen Ablauf der Zeit, das Herannahen meiner Abgabetermine in Höchstgeschwindigkeit und das mysteriöse Verschwinden aller Bücher, die mir bei meiner Arbeit behilflich sein könnten. Dann muss ich vor lauter Aufregung meinen Blog kurzfristig schließen und meine Freunde und Freundinnen mit einem wichtig klingenden Ich bin gestresst vertrösten. Meistens wissen sie, dass ich einfach zu lange prokrastiniert habe, weil es ihnen genauso geht.
Die Frage ist, inwiefern man sich stressen lässt, schreiben dazu viele Ratgeberartikel. Bei mir setzt der Druck zum Glück meistens einige Wochen vor Abgabe ein, sodass ich kurz das Gefühl habe, einen Berg hinaufsprinten zu müssen und am Ende durch all den Stress, den ich mir gemacht habe, meist doch noch Zeit habe, auf den letzten Metern gemütlich zum Ziel und dem damit verbundenen Termin zu joggen (metaphorisch joggen, natürlich!). Am besten ist es natürlich, wenn ihr euch bei dem dauerhaften Abarbeiten von Überraschungen trotzdem mal einen Tag Pause gönnt. Um abzuschalten, Pokémon zu fangen und einfach mal wieder von dem Stoff loszukommen.

Prokrastination existiert - und das ist auch ok so


Am Ende muss jeder und jede für sich selbst eine passende Methode zum Arbeiten finden. Mag sein, dass es nicht die eine oder die andere Art gibt, lang- oder kurzfristig Dinge abzuarbeiten. Dass die Bibliothek immer voll ist, demonstriert die vielfältigen Arbeitsweisen. Und durch phlegmatische Phasen gehen sicher alle Studierenden mal - immerhin wirft man uns das ja auch so vor. (Ich hab vor meiner Uni-Bibliothek ein Flegmon gefangen, ist das nicht passend? HI HI!)

Bei all der Planung, dem Druck und dem Stress ist dabei eine Sache unglaublich wichtig. Viel wichtiger als Flegmons, gute Noten und überpünktliche Abgaben. Nämlich die Frage nach der Ursache des Drucks/Stress und dem Eingeständnis, dass Versagen vollkommen okay ist. Echt jetzt, passt auf, denn das ist die wichtige Botschaft. Dem oder der Dozentin eure Situation erklären, unter dem Schreibtisch weinen und eine Abgabe nachholen ist SUPER IN ORDNUNG. Wegen einer Trennung, einem schlechten Gefühl oder gar einer Krankheit nicht abliefern können auch. Egal, wie ihr zuvor geplant oder nicht geplant habt. Okay? Okay.



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