Mythos Erfolg: Ich schufte, also bin ich



Nothing worth having comes easy. Don't stop when you're tired - stop when you're done. Do one thing every day that scares you. 
Googelt man nach Motivationssprüchen, schiessen einem an Disziplin und Ordnung appellierende Sätze wie aus einem Maschinengewehr entgegen. Steh auf. Bleib oben. Richte deine Krone. Gib ja nicht auf. Keine Schwäche vortäuschen, ey! Und dafür muss man eigentlich noch nicht einmal aktiv nach motivierenden Weisheiten aus dem Internet suchen. Auch in Sozialen Medien, im Whatsapp-Status der Bekannten und auf dem Graffito im Kiez steht der imaginäre Drill Instructor und verteilt ungefragt Befehle zum erfolgreicheren Leben, denn: Sieger zweifeln nicht. Zweifler siegen nicht. 

Und so trägt es sich wieder einmal zu, dass virtuelle Weisheiten (oder: Scheissheiten), die wir im besten Fall nur kurz mit dem Daumen streifen oder antippen, das Leben zumeist besser beschreiben, als es uns lieb ist. Leistungsgesellschaft, schreiben dazu die seriösen Wochenzeitschriften, nachdem ihnen zuvor ein Psychologe von hibbeligen Kindern und vom Leistungsdruck geplagten Jugendlichen im Interview erzählt hat. Karrieregeil, nennen es hippe Berliner Online-Magazine (und fordern im gleichen Atemzug BewerberInnen unter 25 mit mindestens 5 Jahren Berufserfahrung und einem Hochschulabschluss). Und ich? Ich frage mich, ob ich mir statt der neuen Folge meiner Lieblingsserie nicht doch lieber ein Buch über medienwissenschaftliche Theorien reinziehen sollte. 

Keine Frage: Erfolge sind eine gute Sache, weil sie das Ego streicheln und das Gefühl vermitteln, man sei echt krass drauf und könne die Welt beherrschen - zumindest mehr oder weniger. Der Psychologe Albert Bandura bezeichnete die gesteigerte Selbstwirksamkeitserwartung als Glücksgefühl über das Gelingen subjektiver Aktionen im Hinblick auf ein zuvor gesetztes Ziel. Hat man eine höhere Erfolgsrate, steigt entsprechend die Selbstwirksamkeitserwartung und die erfolgsverwöhnte Person setzt sich immer höhere und anspruchsvollere Ziele. Heraus kommt wahrscheinlich eine Art Übermensch, der Scheisse in Gold verwandeln und seiner Mutter mit 25 ein neues Auto schenken kann. In der Psychologie ist es demnach keine seltene Annahme, dass Selbstwirksamkeit und damit verbundene Erfolge zu den natürlichen Bedürfnissen des Menschen gehören. 
                                                                    stop the glorification of busy mythos erfolg

Was ist das für 1 Druck? Stop the glorification of busy


Was aber ist, wenn der Erfolg nicht einsetzt? Oder schlimmer noch: Wenn da nun einer daherkommt, der überhaupt nicht erfolgreich sein möchte? Was ist das für 1 Mensch? 
Eine neue Bewegung fordert nun stellvertretend für all diese Menschen und jene, die aus anderen Gründen durch das Raster des erfolgreichen U30ers fallen: Hört auf mit der Kacke. Stop the glorification of busy. Macht Dinge, die euch glücklich machen. 
Während sich Erfolge primär durch das Erlangen von Geld, Ruhm und Macht auszeichnen und Erfolgsgetriebene im Hinblick auf das Erreichen derselben so ziemlich jede Faser ihres Körpers und ihres Geistes ausreizen, visiert die kritische Auseinandersetzung mit Floskeln und Hashtags à la #busylife und "Whatsup?" - "Ich bin so gestresst OMG!" eine neue Sensibilität für die eigene Gesundheit an. 

Und versichert: Pausen sind ok. Digital Detox ist ok. Schlafen ist ok. Seelenwellness auch. Wer sich selbst nichts gönnt, knickt irgendwann ein. Dauerhaftes zielgerichtetes Arbeiten unter Druck kann für einige zum persönlichen Glück beitragen. Andere werden krank, verspüren Missgunst gegenüber erfolgreicheren Genossen und Genossinnen und sind generell unzufrieden und schlecht drauf. Gestresst, und zwar im uncoolen Sinne. Am Ende bleibt die Frage, wofür wir uns ständig die Erfolgsstraße hochprügeln. Wer ist eigentlich dieser Erfolg, und wer hat ihn so definiert, wie ich ihn aktuell für mich wahrnehme? Lasse ich mich von einem Instagram-Posting unter Druck setzen oder zeige ich den Motivationscoaches (von denen übrigens auch nicht mehr bekannt ist als eine gute Social Media PR) beide Mittelfinger, höre auf meine eigenen Wünsche und Ziele und bin trotzdem eine badass bitch? 

Spoilerwarnung: Es gibt keinen Preis für die schnellste Bezwingung der Karriereleiter. Und mit euren 100.000 Freelancer-Jobs könnt ihr bei euren späteren Uni-Vorträgen höchstens die Naiven unter den Erstsemestlern beeindrucken. Die Wege zum Erfolg sind divers. Umso wichtiger, ihnen persönliches Glück voranzustellen. 

Kommentare:

  1. Haha, was für ein cooler Post?! Ich kann deine Gedanken total gut nachvollziehen, ich mache mir andauernd Gedanken über den Leistungsdruck der Gesellschaft. Manchmal wäre ich auch gerne eine badass bitch, aber man bleibt dann doch lieber auf der sicheren Seite, passt sich einfach an und hofft, dass es irgendwie vorwärts geht.

    Love,
    Christina ♥
    cinapeh.blogspot.de

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  2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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Ich bedanke mich für euer Feedback und freue mich sehr herzlich über allerlei Nettigkeiten und Kritiken. Wer beleidigt, ist doof, und wer "Gegenseitiges Verfolgen" Anfragen verschickt auch ein bisschen.

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